Nadine, warum geht eine junge Frau wie du in die Politik?

Für Politik habe mich schon immer interessiert. Schon als Klassen- und Schulsprecherin habe ich meine Meinung eingebracht und auch vertreten. Mit meinem Studium der Politikwissenschaften und des Öffentlichen Rechts habe ich diesen Weg für mich logisch fortgeführt. Mein Praktikum im Wahlkampf 2011 bei Rudolf Borchert hat mich dann letztlich überzeugt, mich aktiv in einer Partei einzubringen. Ich habe mich ganz bewusst für die SPD entschieden. Die Grundwerte der Partei stimmen mit meinen überein. Deshalb darf man trotzdem anderer Meinung sein und auch streiten. Mein Weg bis hierher war für mich vor ein paar Jahren noch nicht vorhersehbar. Es fing mit der Arbeit im Ortsverein an, dann die Wahl zur Stadtvertreterin. Mir macht diese Verantwortung Freude, ich bringe mich gerne ein. Nun möchte ich nach Schwerin, um in Zukunft noch mehr für die Region erreichen zu können. Ich möchte unseren Menschen eine Stimme im Landtag geben.

Gibt es weitere Gründe?

Ich möchte dazu beitragen, junge Leute hier in der Region zu halten. Natürlich ist es Quatsch zu glauben, dass alle direkt nach der Schule hier bleiben und eine Ausbildung beginnen. Junge Leute wollen und sollen die Welt sehen, Erfahrungen sammeln. Aber sie können zurückkommen. Und dann darf es nicht an fehlenden Arbeitsplätzen oder schlechteren Lebensbedingungen scheitern. Neben vielen anderen Themen sehe ich meine Stärken im sozialen Bereich und in der Bildungspolitik. Aber auch an Themen wie Mobilität und Senkung der Kitabeiträge möchte ich arbeiten. Ich zum Beispiel könnte mir keinen besseren Ort als die Müritzregion vorstellen, um Kinder großzuziehen.
 

Radtour mit Lebensgefährte Martin

 Radtour mit Lebensgefährte Martin

 Du hast in den letzten Jahren schon Erfahrungen in der Kommunalpolitik gesammelt. Fühlst du dich für ein Landtagsmandat gut gewappnet?

An Lebenserfahrung gewinne ich jeden Tag dazu. Zum einen, weil ich täglich mit vielen Menschen zu tun habe. Ich gehe mit offenen Augen und Ohren durchs Leben. Und dann habe ich ja auch noch Freunde und Familie. Und von deren Lebenserfahrung profitiere auch ich. Nicht immer sind die Ratschläge von den Eltern oder Großeltern gern gehört, aber am Ende bin ich doch froh, sie zu bekommen. Letztendlich profitieren alle voneinander, Jung und Alt. Wenn wir im Austausch, im Gespräch bleiben, finden wir auch gemeinsam Lösungen für Probleme, zum Beispiel beim Thema Mobilität. Dies betrifft Junge wie Alte, allerdings auf unterschiedliche Art.

Du bist selber ehrenamtlich aktiv. Wie wichtig ist dir dieser gesellschaftliche Bereich?

Ja richtig. Ich bin in verschiedenen Vereinen aktiv und bringe mich auch sonst ein, wenn Hilfe gebraucht wird. Ehrenamt stärkt unsere Gesellschaft. Das ist total wichtig, um nicht aneinander vorbei zu leben. Viele Menschen sind in so unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich unterwegs. Das verdient meine höchste Anerkennung, denn ich weiß, was für Arbeit dahinter steckt. Die jüngste Vergangenheit hat ja auch wieder bewiesen, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist. Ich denke da an die Integration von Flüchtlingen.

Das ist ein viel diskutiertes Thema in der Gesellschaft. Wie stehst du dazu?

Ich habe da eine ganz klare Meinung. Die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und bei uns Schutz suchen, müssen eben diesen auch bekommen. Na klar war das im letzten Jahr eine Mammutaufgabe und ist es auch heute noch. Ein so gut organisiertes und strukturiertes Land wie Deutschland sollte dies aber meistern. Das braucht eben seine Zeit, die wir im Übrigen allen Menschen geben sollten. Denen, die hier leben und denen, die hier ankommen. Neben Zeit sind aber auch klare Strukturen, Rechtsstaatlichkeit und Nächstenliebe notwendig. Hass und Intoleranz haben in unserer Gesellschaft genauso wenig Platz wie Terrorismus und Gewalt. Polemische Debatten helfen da nicht weiter. Ich bin tolerant erzogen worden und begegne anderen Menschen mit Respekt, egal welche Hautfarbe, Geschlecht oder Religion mein Gegenüber hat. Und so möchte ich auch behandelt werden.

Du hast dir viel vorgenommen. Wie willst du das alles schaffen?

Ich weiß viele Mitstreiter an meiner Seite. Gemeinsam kann man etwas bewegen, das hat auch schon meine Arbeit hier in der Stadt gezeigt. Ziele erreicht man eben oft durch gute Kompromisse. Aber wenn es darauf ankommt, muss man seine Meinung auch durchsetzen können.

Bei allen beruflichen, ehrenamtlichen und Wahlkampfaktivitäten - bleibt da noch Zeit für die private Nadine Julitz?

Momentan bleibt tatsächlich nicht viel Luft. Ich lerne gerade, meinen Tag besser zu strukturieren. Zum Durchatmen und Kraft tanken verbringe ich die übriggebliebene Zeit mit meinem Lebensgefährten Martin, der mich bei allem unterstützt und mir Rückhalt und Zuversicht gibt.


Ich wünsche dir Erfolg bei deiner politischen Arbeit!

 

Das Interview führte Günter Rhein.